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Firmen führen im Geiste der Diakonie

Hellweger Anzeiger Unna

Unna. Die Diakonie begibt sich in die freie Wirtschaft – als Beraterin für Firmen, die in ihren Mitarbeitern mehr als nur Leistungserbringer sehen.

Von Sebastian Smulka

„InvestMensch“ heißt das Projekt, mit dem der Diakonieverbund Ruhr-Hellweg als Unternehmensberatung an den Markt geht. Sein Ziel: Dort die Feuerwehr spielen, wo Mitarbeiter aus persönlichen Gründen zum Totalausfall werden. Und Wege finden, eine erfahrene Kraft zu retten – statt ihr zu kündigen.

Ob es das verdorbene Betriebsklima ist, das einen Mitarbeiter immer demotivierter zur Arbeit kommen lässt, eine persönliche Tragödie wie etwa eine Scheidung oder ein „handfestes“ Problem wie Verschuldung oder Trunksucht – Diakonie-Vorstand Johannes Schäfer bietet kleinen und mittleren Betrieben an: „Wenn du das auch so siehst, dass dein Mitarbeiter Hilfe braucht, dann sind wir dein Partner.“
Dass dieses Angebot von Unternehmern wahrgenommen wird, davon ist Schäfer überzeugt. „Die meisten Unternehmer haben tatsächlich eine Ethik. Sie wollen ihre Mitarbeiter nicht kündigen, sehen aber manchmal keine andere Wahl.“
Wobei auch kaufmännisch einiges dafür spreche, seinen Angestellten in Krisen beizustehen, wie Projektleiterin Verena Preuß ergänzt: „Einen Mitarbeiter zu ersetzen, kostet ja auch Geld. Wenn er gekündigt wird, muss man ihm vielleicht eine Abfindung zahlen. Dann muss man eine neue Kraft finden und sie einarbeiten.“

Faktisch fußt die neue Unternehmensberatung auf dem bestehenden Angebot der Diakonie. Schulden-, Sucht- und Familienberatung seien Dinge, die der Unternehmer für einen Mitarbeiter in Anspruch nehmen kann – allerdings kostenpflichtig für 55 Euro pro Beraterstunde. Darüber hinaus gibt es Schulungen für Unternehmer selbst, die lernen wollen, mit ihren Mitarbeitern Krisengespräche zu führen.

Zurzeit besteht die „Firma“ abgesehen von den 70 regulären Diakonie-Beratern nur aus der Stelle der Projektleiterin. Eine Ausweitung sei aber gewünscht, so Schäfer. „Bedarf ist in jedem Fall da“, meint er. „Der Druck in der Wirtschaft nimmt zu und es wird immer schwieriger für die Beschäftigten, damit klar zu kommen.“